Interview Thomas Sattelberger

Thomas Sattelberger im Interview zum New Work Award

Die Bewerbungsphase für den New Work Award ist in die vierte Runde gegangen. Zum ersten Mal werden nicht nur Unternehmen, sondern auch Einzelpersonen für außergewöhnliche Leistungen prämiert. Jury-Vorsitzender Thomas Sattelberger stellt den New Work Award und seine Neuerungen vor.Im März 2017 wird der New Work Award zum vierten Mal vergeben. Hunderte von Unternehmen haben sich bereits in den letzten Jahren beworben. Können Sie für Neueinsteiger bitte kurz das Konzept erklären?

Sattelberger: Der New Work Award von XING ist der Preis für zukunftsweisendes Arbeiten im deutschsprachigen Raum. Konzeptionell getragen wird der New Work Award von einem Expertengremium führender Köpfe aus Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft, das sich in diesem Jahr in neuer Zusammensetzung präsentiert.

Ziel ist, Vorbilder für die Zukunft zu finden, die im Zuge des vielschichtigen Wandels der Arbeitswelt schon heute ein Zeichen setzen, die Arbeit innovativ neu definieren und so die Diskussion um die Arbeitswelt von morgen mit Praxisbeispielen weiter anreichern wollen. Mit dem New Work Award haben wir ihnen eine Bühne geschaffen, auf der sie ihre Innovation, ihr Projekt, ihre Initiative vorstellen können.

Wer kann mitmachen?

Sattelberger: Jeder, der Arbeit innovativ organisiert, kann mitmachen. Dabei erwarten wir keinen Idealzustand. Wichtig ist, dass eine nachhaltige Veränderung der Arbeitsrealität begonnen wurde. Dabei beschränkt sich Innovation nicht auf bestimmte Branchen. So erhielt vor zwei Jahren das Maschinenbauunternehmen Hema den Sonderpreis der Jury. New Work im traditionellen Familienunternehmen – das ist kein Wiederspruch. Wenn der Virus einmal entfacht wird, dann ist er auch in älteren Unternehmen nicht zu stoppen. Übrigens zeichnen wir neben Unternehmen und Organisationen dieses Jahr auch Einzelpersonen aus.

Der „New Worker“ ist ein neues Konzept dieses Jahr. Was ist die Idee dahinter?

Sattelberger: Arbeit neu denken und anderen erfolgreiche neue Wege zu zeigen, Arbeitswelten zu gestalten – das sind die Kriterien, an denen sich unsere Bewerber messen lassen. Dies zu imstande zu leisten, sind aber nicht nur Unternehmen im klassischen Sinne, sondern auch „Chancen-Unternehmer“. Wir wollen durch die neue Auszeichnung auch jenen Personen eine Bühne geben, die mit ihrem Schaffen bzw. ihrem Lebenslauf sinnbildlich für New Work stehen und Signifikantes zur New Work-Debatte oder -Entwicklung beitragen. Denn diese Menschen können andere ermutigen, motivieren und sie anleiten, New Work-Prinzipien zu implementieren bzw. anzuwenden.

Wer ist für Sie ein New Worker? Wodurch zeichnen sich im Einzelnen aus?

Sattelberger: Wir suchen Macher, die New Work nicht nur betreiben, sondern leben. Für die es selbstverständlich ist, in ihrer Arbeitswelt zu experimentieren. „System-Rebellen“, die abseits etablierter Pfade ihren eigenen Weg gehen, neue Dinge ausprobieren, Sackgassen nicht als Hindernis, sondern als Herausforderung sehen. Oftmals sind New Worker sehr besondere Persönlichkeiten, denn um aus dem Gewohnten auszubrechen, bedarf es Menschen, die etwa einen persönlichen Wendepunkt erlebt und sich entsprechend neu erfunden haben im Leben. Die fünf smartesten New Worker werden ausgezeichnet.

Welche Unternehmen werden gesucht und wie weit müssen die Maßnahmen gediegen sein?

Wir suchen Unternehmen, die systemisch an Themen wie Demokratie, Kooperation, Autonomie, Gemeinwohlorientierung oder Diversität arbeiten. Die Maßnahme kann ein Prototyp neuer Arbeitsrealität sein, aber auch breite, unternehmensweite Veränderungen bestimmter Aspekte betreffen. Wichtig ist, dass eine nachhaltige Wirkung erzielt wird.
So sicherte sich die Robert Bosch GmbH mit ihrem Konzept „Vielfalt ist unser Vorteil“ im vergangenen Jahr den ersten Platz. Das Unternehmen wurde für seine Impulse für eine flexible und familienbewusste Arbeitskultur von morgen ausgezeichnet. Bosch berücksichtigt die jeweiligen Lebensphasen der Mitarbeiter und bietet personalisierte Lösungen wie zum Beispiel Homeoffice, Job-Sharing und auf Betreuungszeiten abgestimmte Familienarbeitsplätze – und das auch in der Produktion.

Und was ist aus Ihrer Sicht das Besondere am New Work Award?

Beim New Work Award stellen Maßnahmen, die die Arbeitsrealität verändern, im Vordergrund. Solche, die nachhaltig Folgen auf unsere Arbeitsweisen haben, indem sie nicht nur ein einzelnes Unternehmen verändern, sondern auch durch ihren Impact andere mitreißen und sie inspirieren. Sie haben die Kraft eine ganze Bewegung auszulösen, verkrustete Hindernisse zu sprengen. Dass am Ende die Öffentlichkeit über die Preisträger entscheidet, gefällt mir sehr und macht Sinn, denn letztlich geht es wie gesagt nicht nur um ein einzelnes Unternehmen, sondern im Zweifel um wegweisende Konzepte, die unsere Denkweise und Verständnis von Arbeit vorzeichnen. Der New Work Award macht diese Ideen transparent und zugänglich.